Über die Hütte:

Wir liegen auf 2020 m im Fotschertal, das ist ein Nebental vom Sellraintal!
Ein Blick zurück:
Im Februar 1928 gibt die Almgenossenschaft Axams nach anfänglichem Mißtrauen ihr Einverständnis zum Bau der Hütte und auch die Bundesforstverwaltung ist damit einverstanden, einen Bauplatz pachtweise zu überlassen. Der Hauptauschuss vom D. u. Oe. A. V. spricht am 28. 07. 1930 endlich die ersehnte Beihilfe von 15 000 Reichsmark zum Bau einer Schutzhütte aus. Als erste Rate werden 8 000 Reichsmark bewilligt. Nachdem innigst an die Stadt Potsdam appeliert wird, ein zinloses Darlehen zu geben und diese Bitte zwei Jahre lang abgelehnt wird, gewährt nun auch der Magistrat der Stadt im Januar 1931 ein Darlehen von 15 000 Reichsmark unter der Bedingung von 5 % Zins und 3 % Tilgung.

Am 07. 06 .1931 wird durch den Pfarrer Peer aus Sellrain der erste Spatenstich getätigt. Beginn der Bauarbeiten ist am 10. 06. 1931 durch den Bauunternehmer Baumeister Josef Senn aus Innsbruck. Die Rohstoffe Holz, Steine, Kies und Sand können ohne besondere Schwierigkeiten im Tal und auf der Baustelle beschafft werden. Was nicht vor Ort zur Verfügung steht, wird von Trägern und Lasttieren Tag und Nacht auf die Baustelle getragen.

Im Dezember 1931 bezieht das Hüttenpächter Ehepaar Hanns und Kathi Zöttl aus Kufstein die noch nicht ganz fertige Hütte. Diese soll bereits in diesem Winter dem „ungewöhnlich stark anwachsenden Hochgebirgsschilauf“ ein Stützpunkt sein. Bis zum April 1932 hat die Hütte 2 300 Besucher und 1 900 Übernachtungen zu verzeichnen.

Besichtigung des Hüttenplatzes Besichtigung des Hüttenstandplatzes im Sommer 1928: Die BauGenehmigung wird unter der Voraus- setzung erteilt, dass die neue Hütte absolut sicher vor Lawinen ist und die Zufahrtswege unter Bedacht auf diese Gefahr angelegt werden. Bauplan der Potsdamer Hütte aus dem Jahr 1929, entworfen von Architekt Carl Gottwald

Am 23. 07. 1932 indet im Talort im Gasthof "Bad Rothenbrunn" ein Begrüßungsabend statt. Unter Vorantritt der Sellrainer Musik- kapelle bringen die Feuerwehr und die Jugend des Ortes den Gästen aus Potsdam und deren Ehrengästen einen Fackelzug. Der stellvertretende Vorsitzende Dr. Disqué begrüßt in Vertretung des schon tagelang auf der Hütte weilenden Vorsitzenden Carl Gottwald alle Anwesenden und dankt allen für die freundliche Unterstützung, die der Bau der Hütte erfahren hat. Überall kann man Potsdamer Schulter an Schulter mit den Sellrainern bei Tiroler Wein und Bier sitzen sehen und "wenn man nicht hätte an den Aufstieg zur Hütte denken brauchen, dann hätt' die Musik noch recht lange spielen können."

Und wie ist dieser Vorabend auf der Hütte? Schon viele Potsdamer sind oben. Nebel hüllt die Hütte ein, das Thermometer zeigt vier Grad. Während man bei Tiroler Wein und Gesang der Begrüßungsfeier im Tal gedenkt, bemerkt der Hüttenwirt: "Draußen schneit's wie im Winter." Alles drängt hinaus und tritt im Schein von Taschen- lampen vor die Veranda der Hütte und begrüßt das Tragtier, das eben schwer beladen vom Tal hinaufgekommen ist. Dann Stille ringsum. Jemand hatte gesagt: "Wie in der Weihnacht."

Am 24. 07. 1932 um 11:50 Uhr beginnt die feierliche Bergmesse, die von der Kapelle aus Sellrain musikalisch begleitet wird. Pfarrer Peer indet in seiner wundervollen Ansprache tief zu Herzen gehende Worte. Da werden manch hartem und zähen Bergsteiger die Augen feucht. Er wünscht, dass die Hütte "ein Hort der Einigkeit und des Friedens werden soll."

Hüttenweihe Hüttenweihe

27. 05. 1933 sinkt die Zahl der reichsdeutschen Besucher. Die Verwaltung der Hütte von Potsdam aus wird wesentlich erschwert. Für die Dauer der Reisesperre wird innigst bei der Stadt Potsdam beantragt, die Zinsraten zu erlassen und die Tilgung ruhen zu lassen. Es folgt ein endloser Schriftverkehr. Am 02. 11. 1934 wird das Gesuch endgültig per Zahlungsbefehl abgelehnt; man schreibt nun an den "Sektionsführer", nicht an den Vorsitzenden. Am 16. 11. 1933 wird Herr Dr. Walther Millonig aus Innsbruck zum Hüttenwart bestellt, da die Mitglieder aus Potsdam nicht mehr einreisen können. Während der Reisesperre hält dieser brielich Kontakt zur Vorstandschaft und organisiert mit Familie Zöttl den Hüttenbetrieb.

Im selben Jahr bewilligt der Hauptausschuss des D. u. Oe. A. V. eine Beihilfe von 1 000 Reichsmark für die Herstellung eines neuen Weges. Dieser Weg, bereits 1932 von Carl Gottwald angeregt, soll an der Westseite des Fotscherbachs - ohne die Seealm zu berühren - unmittelbar zur Hütte führen. Der Gottwald-Weg (Sommerweg) wird durch ein kleines Kommando von Angehörigen des Infanterie-Regiments 9 (Traditionsregiment des I. Garderegiments zu Fuß) unter der Leitung des Oberleutnants von Taysen angelegt. Weitere wesentliche Veränderungen werden bis 1945 weder an oder in der Hütte noch an den Wegen vorgenommen.

Historische Gaststube Historische Veranda

Bereits im Jahr 1938 wird der Alpenverein, jetzt nur noch Deutscher Alpenverein (DAV), in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Nach Kriegsende wird der DAV verboten und kann erst im Jahr 1950 wieder gegründet werden. Der gesamte Hüttenbesitz des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (OeAV) wird nach Beschlagnahmung durch die Alliierten dem österreichischen Staat verkauft. Dieser überträgt die vorübergehende Plege und Unterhaltung der Hütten dem OeAV. Bis 1954 steht auch die Potsdamer Hütte unter dessen Verwaltung.

Aus Kostengründen will der österreichische Staat alle beschlagnahmten Hütten an den DAV zurückgeben. Österreich ist ebenfalls in Besatzungszonen aufgeteilt. Tirol und damit die Potsdamer Hütte liegen in der französischen Zone. Die Franzosen wiederum sprechen sich gegen die Rückgabe der Hütten aus, die in der sowjetischen Besatzungszone liegen. Mit den Sowjets "will man es sich ebenfalls nicht verderben", da man unmittelbar vor dem Abschluss eines Friedensvertrags steht, welcher den Abzug der Russen in Wien zum Ziel hat. Dieser Schwebezustand eines Nichtkrieges ohne Frieden und der in nebliger Ferne liegende Staatsvertrag erschweren das Vorhaben einer rechtmäßigen Rückgabe der Hütten an die Sektionen.

In dieser Zeitspanne leidet die Hütte sehr. Aufgrund der Beschlüsse der Besatzungsmächte kann die Hütte nicht ordentlich bewirtschaftet und unterhalten werden. Der ständige Pächterwechsel tut das Übrige dazu:
1946 - 1948 Hermann Klocker
1948 - 1951 Erich Stöttner
1951 - 1954 Otto Schauer
1954 - 1955 Valentina Jennewein

Alpenvereinssektionen sind in der DDR verboten und werden aufgelöst, das Vermögen wird eingezogen. Ab 1950 werden im Westen erste "Exilsektionen" gegründet. Die Kriegswirren haben Erich Fromm, das einzige noch lebende Vorstandsmitglied der Ursprungssektion, nach Dinkelsbsühl verschlagen. Er reist im Jahr 1952 mit dem Zug und einer Aufenthaltsgenehmigung von 72 Stunden nach Tirol. Dort indet er die Hütte in einem sehr schlimmen Zustand vor. Dies war der Anstoß zur Neugründung der Sektion Potsdam in Dinkelsbühl.

Am 13. 10. 1954 wird in der Sektionsversammlung die Sitzverlegung der Sektion Potsdam nach Dinkelsbühl beschlossen. 1. Vositzender ist Erich Fromm. Mit der Eintragung 1955 ins Vereinsregister beim Amtsgericht Dinkelsbühl als "Sektion Potsdam des DAV in Dinkelsbühl e. V." (Neugründung im Exil) sind nach intensiven Bemühungen die Voraussetzungen für die Rückgabe der Potsdamer Hütte an die Sektion erfüllt. Im Jahr 1954 wird zwischen dem DAV und dem österreichischen Treuhänder der "Bestandsvertrag" (Hüttenrückgabe) beschlossen. Dieser Vertrag wird erst am 1.1.1956 wirksam. Die Potsdamer Hütte ist eine der letzten ostdeutschen Alpenvereinshütte in Österreich, die an eine Exilsektion zur Nutzung und Verwaltung übergeben wurde. Hüttenwart ist Herr Dr.-Ing. Werner Kennes

Das starke Wirtschaftswachstum und das Klischee von der "Einsamkeit auf Bergeshöhen" kurbelt den Massentourimus an. Im neuen Europa, das durch den Eisernen Vorhang jetzt Nord-Süd, statt wie vor dem Krieg in West-Ost-Richtung strukturiert ist, liegen die Alpen noch zentraler im Mittelpunkt als vorher. Vor allem entlang der Transitrouten werden sie noch stärker mit der europäischen Wirtschaft verlochten. Der "Heidiland-Tourismus" hat seinen Höhepunkt. Wirtschaftlich proitieren die Alpen besonders stark in dieser Phase: zahlreiche Pensionen, Hotels, Zweitwohnungen, Seilbahnen und Skipisten werden gebaut.

Die Potsdamer Hütte proitiert noch nicht von dem wirtschaftlichen Aufschwung dieser Zeit. Wieder sind es Schicksalsschläge, die erbarmungslos zuschlagen. Durch den Tod des Hüttenwartes Dr. Ing. Werner Kennes fällt die Verwaltung der Hütte an die Sektion Neuland in München. Die eigene Sektion ist aufgrund der geringen Mitgliederzahl und ohne Hüttenwart nicht in der Lage, die Hütte zu betreuen. Mit der Sektion Neuland gibt es von Anfang an Probleme bei der Zusammenarbeit: es wurden zum Beispiel alle Bilder von Potsdam aus der Hütte entfernt. Dieser "Bildersturm" war der Beginn eines jahrelangen Streits. Die Zusammenarbeit mit der Sektion Neuland funktioniert zwar, wird aber nie glücklich. Bei dieser Gelegenheit kann Erich Fromm Herrn Rechtsanwalt Erwin Süße davon überzeugen, sich dem Vorstand anzuschließen.

Um der Sektion Neuland den Zugriff auf die Potsdamer Hütte zu entziehen, wird dringend ein Hüttenwart aus den eigenen Reihen gesucht. Sogar die Aulösung der Sektion Potsdam wird in Erwägung gezogen. In einem streng vertraulichen Schreiben an die Sektion Berlin wird die Überlegung ins Auge gefasst, sich dieser als Ortsgruppe anzuschließen und ihr das Vermögen zu übergeben. Am 11.08.1957 indet eine Wiedersehensfeier auf der Potsdamer Hütte statt. In diesem Jahr steht das 25-jährige Hüttenjubiläum sowie das 50-jährige Bestehen der Sektion Potsdam an. Richtig gefeiert soll nicht werden, da sich die Hütte noch immer nicht im Eigentum der Sektion beindet. Es ist das erste Mal, dass einige Dinkelsbühler Mitglieder oben sind.

Im Oktober 1957 unterzeichnet Hans Luchner, ein ehemaliger Träger bei Luis Knapp, den Vertrag als Hüttenpächter. Die Sektion Neuland drängt ihn zu heiraten, damit die Hütte besser bewirtschaftet werden kann. Luchner gibt 1958 wieder auf. Pächter bis zum 30.04.1961 ist jetzt Hans Sillaber. Dieser jammert, dass nichts verdient sei und steht mit seiner Darlehensrückzahlung im Rückstand - obwohl im Winter 1960/61 über 3000 Übernachtungen gezählt werden.

Am 01.05.1961 pachten die Hüttenwirtsleute Engelbert und Irmgard Hundertpfund aus Kematen die Potsdamer Hütte. Dies erweist sich als Glücksfall für die Sektion. Damit beginnt eine langfristige und dauerhafte Partnerschaft. Die Übernachtungen steigen, die Hütte soll vergrößert werden. Also arbeitet die Sektion Neuland einen großen Instandsetzungsplan aus, in der Hoffnung, diesen 1962 umzusetzen. Die Idee, eine Materialseilbahn zu bauen, wird aus Kostengründen verworfen.

Im Jahr 1964 erfolgt die so lange ersehnte Rückgabe der Hüttenverwaltung an die Sektion Potsdam. Hüttenwarte sind Herr Dipl.-Ing. Rudolf Schneider aus München und sein Stellvertreter Herr Dipl.-Ing. Stadtoberbaurat Ludwig Loewe aus Köln.

Die Hütte 1963

Im Jahr 1989 fällt der "Eiserne Vorhang". Die Globalisierung, die bereits ab Mitte der 1970er Jahre eingesetzt hat, wird durch den Zerfall des Kommunismus noch einmal stark beschleunigt. Die Rahmenbedingungen der Alpen verändern sich erheblich: Industriebetriebe werden geschlossen oder die Produktion in Billiglohnländer verlegt. Zudem setzt nach 30 Jahren steten Wachstums im Alpentourismus ab Mitte / Ende der 1980er Jahre eine starke Stagnationsphase ein. Ursache für diese Entwicklung sind weniger die Alpen selbst (schlechtes Image des Bergsommers) als die allgemeinen Veränderungen, wie günstige Fernreisen, neue Ziele oder größere Reiseerfahrung. Da der Welttourismus in dieser Zeit ständig weiter wächst, verlieren die Alpen erstmals seit Entstehung des Tourismus Marktanteile.

Entgegen diesem Trend erfreut sich die modernisierte Potsdamer Hütte zunehmender Beliebtheit. Durch die Teilung Deutschlands ist es den in Potsdam lebenden Bergsteigern über 40 Jahre lang verwehrt ihr ursprüngliches Arbeitsgebiet und alpines Domizil zu besuchen. Trotz zwangsmäßiger Sektionsaulösung, Mauerbau und ungeklärter Eigentumsverhältnisse (Hüttenbesitz) lebt der Name "Potsdam" dank engagierter Exil-Potsdamer und motivierter Bergfreunde aus Dinkelsbühl im alpinen Stützpunkt auf 2012 Metern Höhe weiter. Nach jahrelangen Verhandlungen mit dem österreichi schen Staat gelingt es nun dem 1. Vorsitzenden der Sektion Potsdam - Dinkelsbühl, Herrn Dipl.-Ing. Jens Mayer-Eming, im Frühsommer 1989 ein ca. 4 000 Quadratmeter großes Hüttengrundstück aus einer mehrere Quadratkilometer messenden Almgrundparzelle heraus zu erwerben und damit das Eigentumsrecht an der Potsdamer Hütte endlich zu besiegeln. Dies ist insofern ein großer Erfolg, weil 1992 der Pachtvertrag für die Hütte ausgelaufen wäre und eine Pachtverlängerung aufgrund von Widerständen aus der Alminteressenschaft eher unwahrscheinlich war. Keiner konnte ahnen, dass nur wenige Monate später die Mauer fällt.

Dass aus der Potsdamer Hütte weder eine Bruchbude noch ein Hotel wird, aber ein gewisser Standard an Komfort gehalten werden muss, diese Absicht steht wohl ganz im Zeichen in diesen Jahren. Um zu verstehen, was es heißt, diesen Bestand zu wahren, muss man bedenken, dass Wind und Wetter im Gebirge ungleich kräftigere Gegner menschlicher Behausungen sind als im Tal. Dazu kommt die beinah jährliche Ausbesserung der Wege, denn der Winter ist unberechenbar und niemand weiß, was nach der Schneeschmelze zum Vorschein kommt. Im Jahr 1998 begräbt ein katastrophaler Wolkenbruch den Zufahrtsweg zur Hütte unter Steinlawinen und Erdmuren. Dieser wird bis zum Jahr 2002 - pünktlich zum 70-jährigen Hüttenjubiläum - saniert. Diese umfangreichen Wegebaumaßnahmen kosten ca. 150 000 Deutsche Mark. Die Hütte wird in dieser Zeit ebenfalls weitreichend saniert. Nach einem verheerenden Sturmschaden am Dach weichen die undicht gewordenen Dachschindeln kunststoffbeschichteten Aluminiumziegeln, die teilweise mit Solarzellen bestückt sind. Mit der Dachanhebung wird eine Qualitätsverbesserung der Schlafräume durch Wärmedämmung und Dachdichtung erreicht.

Die Überlegung, umweltfreundlichen Strom für die Hütte zu generieren, könnte durch den Fotscherbach und den Bau eines kleinen Wasserkraftwerks Wirklichkeit werden. Dieser lang gehegte Plan scheitert bislang an behördlichen Aulagen.

Anfang der 2000er Jahre wandelt sich das Images des Wanderns, die Übernachtungen auf der Potsdamer Hütte steigen an. Was bis vor ungefähr 15 Jahren noch als absolut spießig gilt erfährt einen absoluten Imagewandel: Wandern wird heute mit sanftem Tourismus und mit einem Lebensstil in Verbindung gebracht. Neben dem Naturerlebnis und der Freude an Bewegung steigert sich auch das Streben nach Gesundheit und das Interesse an der Heimatregion.

Die freundschaftlichen Bande und ein reger Austausch zwischen der neugegründeten Sektion Potsdam (1991) und der Sektion Dinkelsbühl (Namensänderung 2003) zeigen, dass das Gefühl der einstigen Teilung sich endgültig gelegt zu haben scheint. Seit einigen Jahren schon wird gemeinsam gewandert, geklettert und gelacht - entweder im Elbsandsteingebirge oder auf der Potsdamer Hütte. Dachrenovierung